Wir leben in einer Zeit, in welcher Stimmen lauter werden, die wollen, dass Hautfarbe, Geschlecht oder Sexualität darüber entscheiden, was ein Mensch wert ist oder ob er in unsere Gesellschaft passt. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat sich das in Aschaffenburg erneut gezeigt. Unbekannte haben den Regenbogenweg auf der Willigisbrücke mit Schwarz-Rot-Gold übersprüht.
Die Deutschlandfahne wurde damit für etwas missbraucht, für das sie nicht steht. Für Feindschaft und Ausgrenzung. Sie ist die Fahne des Grundgesetzes, das die Würde des Menschen für unantastbar erklärt. Nicht die Würde der Deutschen, der Männer, der Frauen, der Heterosexuellen. Die Würde des Menschen. Diese Fahne gehört uns allen.
Karsten Klein und ich haben im Sommer im Streit um die Regenbogenfahne am Rathaus vermittelt, weil wir überzeugt sind, dass uns mehr verbindet, als uns teilt. Für uns sind Kompromisse das Schmiermittel der Demokratie. Schließlich sollen Fahnen verbinden, nicht ausgrenzen. Zwischen einem demokratischen Prozess und einer Spraydose in der Nacht gibt es jedoch keine Mitte. Da gibt es nichts zu vermitteln.
Wer immer das war, hat es klein und feige im Dunkeln getan, aus Angst, für sein Handeln geradezustehen. Man muss das nicht bedrohlicher machen, als es ist. Von so jemandem lassen wir uns nicht spalten.
Text: Veit Kolb