ADFC - Anfrage bezüglich der Wahlprüfsteine - Kommunalwahl Aschaffenburg
Unsere Antworten:
Disclaimer
Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird im folgenden Text auf eine geschlechtsspezifische Differenzierung, wie z.B. TeilnehmerInnen verzichtet. Bei den Folgenden Antworten wird durchgängig die männliche Form benutzt. Im Sinne des Gleichbehandlungsgrundsatzes sind diese Bezeichnungen als nicht geschlechtsspezifisch zu betrachten, sondern schließen alle Formen gleichermaßen mit ein.
1. Welche Ansätze verfolgen Sie, um die Modul Split-Anteile deutlich Richtung Umweltverbund u.a. Radverkehr zu verschieben?
Für uns ist der Modal Split keine abstrakte Kennzahl, sondern eine Frage der Lebensqualität. Unser Maßstab ist, ob der Alltag von Familien in Aschaffenburg funktioniert. Wenn Wege sicher, zuverlässig und gut nutzbar sind, greifen Menschen öfter zu Rad, Bus und Fußwegen.
Wir wollen den Radverkehr stärken, nicht um politische Quoten zu erfüllen, sondern weil sichere Wege Kindern Selbstständigkeit ermöglichen und ältere Menschen mobil halten. Wenn Eltern heute zum Auto greifen, dann oft aus Zeitdruck. Das ist selten Bequemlichkeit, sondern eine logische Reaktion auf einen Alltag, der funktionieren muss. Genau dort setzen wir an.
Deshalb verbessern wir den Umweltverbund dort, wo er im Alltag wirkt: sichere Schulwege, bauliche Trennungen an Gefahrenstellen, durchgängige Verbindungen statt isolierter Einzelstücke und ein ÖPNV, der zum Lebensrhythmus von Familien passt. Gleichzeitig gilt: Wenn Parkraum entfällt, müssen Alternativen wie Quartiersgaragen geschaffen werden. Verkehrswende funktioniert nur mit Angeboten, nicht durch Verdrängung.
Unser Ziel ist, dass Menschen das Rad nutzen, weil es sicher und bequem ist, nicht weil sie dazu gedrängt werden. Wenn eine Strecke für ein zehnjähriges Kind sicher ist, ist sie für alle gut.
2. Welches Konzept für die Verkehrsberuhigung Innenstadt präferieren Sie?
2.1 Wäre der Vorschlag vom ADFC bezüglich eines Innenstadtringes für den Umweltverbund eine Option?
2.2 Forcieren Sie die Verlagerung der B 26 (Weißenburger/Friedrichstr. auf den Ring), um hier Handlungsspielräume zu gewinnen?
Eine echte Beruhigung der Innenstadt gelingt nur, wenn der Verkehr außen herum fließt. Deshalb gilt für uns: Erst muss der Ring funktionieren, dann kann die Innenstadt ruhiger werden.
Solange es auf der Ringstraße an Engpässen wie der Glattbacher Überfahrt oder der Hanauer Straße stockt, sucht sich der Verkehr den Weg durch die Innenstadt. Der Schlüssel liegt daher in der Verbesserung dieser Knotenpunkte. Nicht mehr Asphalt, sondern ein stabiler, verlässlicher Verkehrsfluss entscheidet darüber, ob Durchgangsverkehr draußen bleibt.
Ein Einbahn-Innenstadtring oder eine rein formale Verlagerung der B 26 auf den Ring lösen dieses Problem nicht. Solche Modelle erzeugen oft Umwege und Frust, wenn die Infrastruktur dahinter nicht leistungsfähig genug ist. Schilder ersetzen keine funktionierende Verkehrsführung.
Wichtig ist, welcher Verkehr in die Innenstadt soll. Pendler, Kunden, Handwerker und Anwohner müssen sie weiterhin gut erreichen können. Reiner Durchgangsverkehr und Poserfahrten gehören dagegen reduziert. Das gelingt nicht durch pauschale Sperren, sondern durch eine Verkehrsführung, die Durchfahren unattraktiv macht und Ankommen erleichtert.
3. Wie ordnen Sie das Thema Radverkehr in den Katalog der notwendigen Maßnahmen zur Klimaneutralität ein?
Radverkehr ist ein wichtiger Baustein für den Klimaschutz, aber nicht der Einzige. Die größten CO₂ Effekte einer Kommune entstehen durch Energieversorgung, Gebäudesanierung, einen emissionsfreien ÖPNV und einen flüssigen Verkehrsfluss ohne Stau und Umwege. Dort entscheidet sich, ob Emissionen wirklich sinken oder nur auf dem Papier.
Unser Ziel ist ein familienfreundliches Aschaffenburg. Menschen steigen auf das Fahrrad um, wenn es sicher, praktisch und alltagstauglich ist. Dazu gehört auch, dass man sein Fahrrad sicher abstellen kann. Ohne wirksame Maßnahmen gegen Fahrraddiebstahl bleibt das Rad für viele keine verlässliche Option.
Wir setzen auf Klimaschutz durch funktionierende Systeme. Ein leistungsfähiger Ring und ein zuverlässiger ÖPNV vermeiden unnötige Emissionen durch Stau, Stop and Go und Umwege. Gleichzeitig stärken wir den Radverkehr dort, wo er im Alltag funktioniert. So entsteht Klimaschutz, der spürbar wirkt und nicht nur in Konzepten existiert.
4. Welche Etatmittel werden zur Förderung Radverkehr vorgesehen?
Da wir nicht im Stadtrat vertreten sind, stehen uns nur die öffentlich zugänglichen Haushaltszahlen zur Verfügung. Für uns ist jedoch nicht entscheidend, welche Summen auf dem Papier stehen, sondern was davon tatsächlich auf der Straße ankommt.
Hohe Budgets nützen wenig, wenn sie in Lücken, Provisorien oder Prestigeprojekte fließen. Entscheidend ist, ob Wege sicherer, durchgängiger und besser nutzbar werden. Ältere Menschen brauchen barrierefreie Wege, Familien sichere Querungen und ausreichend Platz, Radfahrer klare und sichere Verbindungen. Daran muss sich der Einsatz der Mittel messen lassen.
5. Wie stehen Sie zur notwendigen Fortschreibung des Radverkehrskonzeptes? 5.1 Welche Verbesserungsmöglichkeiten sehen Sie hier und welche Maßnahmen sollten aufgenommen werden (u.a. Fahrradstraßen, Knotenpunktgestaltungen, Anbindung Damm/Strietwald zur Innenstadt/Glattbacher Überfahrt als Einbahnstraße?).
Eine Fortschreibung des Radverkehrskonzepts ist sinnvoll, wenn sie sich stärker am tatsächlichen Alltagsverkehr orientiert. Seit 2015 wurden viele Maßnahmen umgesetzt, doch entscheidend ist nicht ihre Anzahl, sondern ob sie zusammen ein funktionierendes Netz ergeben.
Künftig müssen die echten Schwachstellen in den Mittelpunkt rücken: gefährliche Knotenpunkte, Netzlücken, Konflikte mit Bussen und Autos sowie fehlende Abstellmöglichkeiten. Ein Beispiel ist der Bereich Friedrichstraße und der Kreisverkehr zur Platanenallee, wo sich der Radverkehr zwischen Bussen und Autoverkehr einordnen muss und Sicherheit verloren geht.
Wir sehen auch kritisch, dass in der Schillerstraße und der Berliner Allee eine früher baulich getrennte Radführung aufgegeben wurde. Wenn Radfahrer heute auf gleicher Ebene mit dem Kfz Verkehr unterwegs sind, sinkt für viele das Sicherheitsgefühl. Gerade Familien steigen dann nicht um.
Verbindungen aus Damm und Strietwald in Richtung Innenstadt und zur Glattbacher Überfahrt sind besonders wichtig. Sie müssen so gestaltet werden, dass Radverkehr sicher geführt wird, ohne den Verkehrsfluss insgesamt zu blockieren. Lösungen, die zu Umwegen und zusätzlichen Staus führen, helfen niemandem.
Unser Ziel ist ein Verkehrssystem, das für alle funktioniert. Der Radverkehr wächst dort, wo er sicher, durchgängig und konfliktarm ist. Darauf muss sich die nächste Fortschreibung konzentrieren.